Social Media verstehen: Die 90-9-1 Regel und das Power Law of Participation
by sandra.kroeger
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Im Social Web tummelt sich eine Vielzahl schnell vergänglicher Trends. In dieser Artikelreihe stellen wir Ihnen Tools, Methoden und Ansätze vor, die seit Jahren ihre Gültigkeit bewahren. Heute geht es um die 90-9-1 Regel und das Power Law of Participation. Beide besagen:
Nur Wenige sind bereit, im “Mitmach-Web” tatsächlich mitzumachen.
Jakob Nielsens 90-9-1 Regel
Die 90-9-1 Regel wurde 2006 erstmalig vom Usability Guru Jakob Nielsen publiziert. Er stellt fest:
- 90% der Internetnutzer schauen zu, steuern selbst nichts bei, die Lurkers
- 9% der Internetnutzer beteiligen sich hin und wieder, die From-Time-to-Time-Users
- 1% der Internetnutzer beteiligen sich regelmäßig. Von diesen Power Usern stammen die meisten Beiträge.
McKinsey untersuchte 2007 das Partizipationsverhalten in in verschiedenen Web 2.0 Diensten und bestätigte die Nielsen-These. McKinsey zeigte zudem auf, dass sich die 90-9-1 Regel seitdem verschiebt:
“Interestingly, some research suggests that, over time, participation rates throughout the user group increase. In 2004, for example, 90 percent of the contributions to Wikipedia came from just 2 percent of its users; by 2006, the top 2.5 percent of them were responsible for only 60 percent of all new content…”
In den USA verbreitert sich demnach die Basis an Nutzern, die im Web aktiv ist. Die Power User verlieren ihre Ausnahmestellung zugunsten der wachsenden Gruppe der From-Time-to-Time-Users. Statt 90-9-1 beobachten wir eher 75% Lurkers, 20% From-Time-to-Time-User und 5 % Power-User. Insgesamt gehen Studien für die USA von 25% Creators aus, also Personen, die Blogs pflegen und regelmäßig Inhalte produzieren. Und wie sieht es in Deutschland aus? Hier wird die 90-9-1-Regel eher noch unterschritten. Die Teilnahme zum Beispiel an Brand Communites und Facebook Fan Pages ist minimal im Vergleich zum US Markt. Unsere These für das deutsche Social Web:
- 94,5% der deutschen Internetnutzer sind Lurkers
- 5% der deutschen Internetnutzer sind From-Time-to-Time-Users
- 0,5% der deutschen Internetnutzer sind Power User
Ross Mayfield: Partizipation und Community-Funktionen
Der US-Blogger Ross Mayfield verbindet dieses Partizipations-Phänomen mit den Anforderungen der jeweiligen Gruppe an (Community-) Funktionen:

Sein Power Law of Participation lässt sich wie folgt anwenden:
Die kleine und wichtige Gruppe der Power User wünscht sich fordernde und anspruchsvolle Funktionen. Sie sind nicht nur bereit, sich länger mit Funktionen zu befassen – sie erwarten sogar, dass ihnen zeitintensive Nutzungsangebote gemacht werden. Der Normal-Nutzer hingegen möchte einfache und schnelle Funktionen. So hat Mayfield den damaligen Erfolg der Social News Plattform Digg erklärt:
“Digg is the archetype for low threshold participation. Simply Favorite something you find of interest, a one click action. You don’t even have to log in to contribute value, you have Permission to Participate.”
So what?!
Gehen Sie davon aus. Für Anbieter im Social Web ist das Verständnis für diese Phänomene elementar. Egal, in welchem Bereich des Social Web Sie aktiv werden. Gehen Sie immer davon aus, dass nur ein Bruchteil Ihrer Nutzer tatsächlich aktiv sein wird. Lassen Sie sich nichts anderes erzählen – so gut es auch klingen mag. Beachten Sie diese Regeln bei der Definition Ihrer Kampagnen-Ziele und Erwartungen. Und freuen Sie sich, wenn Sie die 90-9-1 Regel zu Ihrem Vorteil verschieben konnten.
Bauen Sie ein ausgewogenes Feature-Set. Konzipieren Sie eine Kampagne, App oder Plattform die sowohl die Interessen der Power User als auch die der Gelegenheitsnutzer anspricht:

Setzen Sie auf Tracking. Für alle relevanten Funktionen sollten Sie ein Tracking der jeweiligen Key Performance Indicator einsetzen, monatlich analysieren und die Erkentnisse an die zuständigen Teams weiterleiten. Nur so können Sie Ihr Feature-Set den dynamischen Nutzeranforderungen anpassen.

